Das Geschäftsmodell von Just Eat Schweiz steht im Zentrum einer Debatte über Arbeitsbedingungen und staatliche Lasten. Laut Berichten des "Tages-Anzeigen" plant das Unternehmen, rund 700 Kuriere nicht mehr als Angestellte, sondern als selbstständige Unternehmer einzusetzen. Diese sollen künftig mit 6,50 Franken pro Lieferung vergütet werden, um der steigenden Nachfrage einer 24/7-Gesellschaft gerecht zu werden. Lukas Streich, Chef von Just Eat Schweiz, begründet dies damit, dass Kunden heute zu jeder Uhrzeit Dienstleistungen wie Hamburger oder Matcha Latte wünschen.
Die wirtschaftlichen Diskrepanzen innerhalb dieser Wertschöpfungskette sind massiv. Während Kuriere teils weniger als 20 Franken pro Stunde verdienen, fließen die Gewinne in millionenschwere Saläre für die Geschäftsleitung. Die finanzielle Tragweite des Unternehmens wurde deutlich, als der Verkauf an die niederländische Beteiligungsholding Prosus einen Betrag von 4,1 Milliarden Euro einbrachte. Dies verdeutlicht die enorme Profitabilität der Plattformökonomie auf Kosten niedrig bezahlter Arbeitskräfte.
Kritiker wie der St. Galler Ökonom Stefan Legge hinterfragen in der "NZZ am Sonntag" die damit verbundene Ausweitung der Staatsquote. Legge warnt davor, dass knappe Ressourcen wie Arbeitskraft und Energie nicht effizient eingesetzt werden, wenn die soziale Absicherung auf den Staat abgewälzt wird. Wer lediglich 6,50 Franken pro Lieferung oder einen kantonalen Mindestlohn von 23 Franken verdient, bleibt bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen.
Dies führt zu einer paradoxen Situation, in der der Staat die Zeche für ein privates Geschäftsmodell zahlt. Die Strategie, Dienstleistungen aus Billiglohnländern zu importieren, um den Lebensstil Gutverdienender zu stützen, widerspricht dem klassischen volkswirtschaftlichen Ansatz. Anstatt die nationalen Ressourcen zur maximalen Güterversorgung der eigenen Bevölkerung zu nutzen, bedient die moderne Standortstrategie primär die globale Nachfrage und schafft eine Abhängigkeit von staatlichen Sozialleistungen.


