Die EU-Kommission hat vorläufige Ermittlungsergebnisse veröffentlicht, wonach TikTok die mentale Gesundheit seiner Nutzer gefährdet. Im Zentrum der Vorwürfe steht die sogenannte "For You-Page", deren Algorithmus einen endlosen Strom personalisierter Videos ausspielt. Brüssel befürchtet sogenannte Rabbit-Hole-Effekte, bei denen Nutzer – insbesondere Kinder und Jugendliche – so tief in Themen wie Traurigkeit, Isolation, Gewicht und Körperbild eintauchen, dass eine psychische Verschlechterung droht.
Nach Angaben der Brüsseler Behörde wertet der Algorithmus das Ansehen und Liken von Inhalten als Interesse und spielt daraufhin verstärkt ähnliche, potenziell belastende Inhalte aus. Bestehende Maßnahmen von TikTok sowie die Funktion "Nicht interessiert" seien nicht wirksam genug, um diesen Mechanismus zu durchbrechen. Die EU-Kommission fordert daher grundlegende Änderungen am Algorithmus, damit Nutzer eine größere Kontrolle über die angezeigten Inhalte erhalten.
Dies ist bereits das dritte Mal, dass die von der chinesischen Firma ByteDance betriebene App mit Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA) konfrontiert wird. In anderen Verfahren geht es zudem um suchtfördernde Mechanismen wie das automatische Abspielen von Videos sowie einen unzureichenden Schutz von Minderjährigen vor übergriffigem Verhalten. Im Juli wurde kritisiert, dass Fremde öffentliche Konten von Minderjährigen einsehen und diese mit missbräuchlichen Absichten kontaktieren könnten.
Sollte TikTok keine einvernehmliche Lösung finden oder die Bedenken nicht ausräumen, drohen empfindliche finanzielle Sanktionen. Die EU-Kommission könnte einen formellen Verstoß feststellen und eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes verhängen. Zusätzlich könnten tägliche Zwangsgelder eingesetzt werden, um das Unternehmen zum Einlenken zu bewegen. Seit der Eröffnung des ersten Verfahrens im Februar 2024 wurde bisher noch keine Strafe verhängt.

